Senin elin kalem tutsun …

Deine Hand möge einen Stift halten.

IMG_8577.JPG Einmal Hans mit scharfer Soße, so heißt das Buch der Journalistin und Autorin Hatice Akyün, die für eine beeindruckende Lesung am 21. Mai in in der Aula der Hermann-von-Helmholtz-Schule zu Gast war. Ausgewählte Lerngruppen aus dem 9. und 10. Jahrgang wohnten dem humorvollen Vortrag bei.

Ich will keine Werbung für mein Buch machen, sondern für das Lesen.

Frau Akyüns eigentliches Anliegen wurde schnell deutlich: “Ihr habt alle eine Chance – so wie ich sie hatte!” lautete der Aufruf an die Schüler, sich mehr Zeit zu nehmen, in die wundervolle Welt des Lesens abzutauchen, die eigene Sprachfertigkeit dadurch zu verbessern und somit die eigenen Chancen in der Schule und im späteren Berufsleben erfolgreicher nutzen zu können. “Senin elin kalem tutsun”, lautete einst die Aufforderung ihres Vaters – Hatice sollte einen besseren Beruf ergreifen als er …

Sie berichtete, wie sie als Kind in einem Stadtteil Duisburgs, der durchaus mit Neukölln vergleichbar sei, jede Menge Bücher im Bibliotheksbus auslieh und sich so ihre Liebe zum geschriebenen und gesprochenen Wort und zu ihrem neuen Heimatland entwickelte. “Ich liebe die deutsche Sprache – was nicht heißt, dass ich die türkische nicht mag!” Diese Verbundenheit mit beiden Kulturkreisen lässt sie in ihrem Buch auf mitreißende Art durchblicken. “Zwischen all den Böreks und Sucuks sehne ich mich manchmal nach einer Scheibe Vollkornbrot und ‘ner Tasse Kaffee, nach der Präzision mit der in Deutschland alles abläuft. Wenn ich mit meinen deutschen Freunden im Restaurant sitze und jeder auf den Cent genau für sich selbst bezahlen will, sehne ich mich wiederum nach meinen türkischen Freunden, die mir mit ihrer Lebensfreude die Sterne vom Himmel holen.” Ein Hans mit scharfer Soße war dann auch ihr Idealbild von einem Mann. Es sollte ein deutscher sein – mit möglichst viel türkischem Temperament.

Dass es dann doch ein Ali zum Dessert wurde (so der Titel ihres im August erscheinenden Buches) berichtete Frau Akyün unseren Schülern dann auf Nachfrage. “Ein Türke, der herrlich berlinern kann.” Im Beruf steht er aber in gepflegtem Hochdeutsch seinen Mann. Frau Akyün verband diese Tatsache mit dem Aufruf an die türkischen Familien, mehr Deutsch zu lernen und zu sprechen. Sie hat mit ihrem Mann eine kleine Tochter, die zweisprachig aufwächst – sie redet türkisch mit dem Papa und deutsch mit der Mama.

Die Lesung fand im Rahmen der Wochen der Sprache und des Lesens in Neukölln statt. Wir danken den Initiatoren der Sprachwochen, insbesondere Herrn Kazim Erdogan, und natürlich besonders Frau Akyün selbst, sehr herzlich für diese gelungene Bereicherung unseres Schulalltags.

Text: Marcel Blaß

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar»
  1. Ich war an dem Tag mit dabei, die Lesung hat mir sehr gefallen, ich würde mich freuen, wenn es öfters solche Lesungen geben würde, nicht nur deswegen, weil wir dadurch “Unterricht-Frei” haben (was sozusagen nicht stimmt, denn man lernt da auch etwas dazu), sondern auch deswegen, weil es mit vielen Schülern übereinpasst, was die Autorin vorgelesen hat. Ich wurde nach der Lesung angeregt, ein Buch zuhause zu lesen. Ich lese jetzt regelmäßig, was ich früher nie gemacht hatte.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>